Planungshilfe zum Gründach

Informationen zur Planung eines Gründaches

Um eine Dachbegrünnung viele Jahrzehnte schadensfrei zu erhalten sind einige Grundsätze zu beachten:

  1. Fachgerechte Ausführung der Dachabdichtung nach den Flachdach-Richtlinien
  2. Fachgerechte Ausführung der Dachbegrünung nach den FLL(Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau)-Richtlinien
  3. Fachgerechte Pflege der Dachbegrünung nach den FLL-Richtlinien und den Empfehlungen von FBB/ZVDH/BGL

Im Folgenden werden die wichtigsten Planungspunkte, sowie allgemeine Information aufgezählt.

 

Wurzelschutz

  1. Die Dachabdichtung bzw. die Wurzelschutzbahn muss das FLL-Prüfverfahren auf Durchwurzelungsfestigkeit ohne Beanstandungen erfolgreich absolviert haben. Dabei wird in einem von der FLL vorgegebenen zwei- oder vierjährigen Untersuchungsverfahren die Wurzelfestigkeit und ggf. Rhizomfestigkeit überprüft und ein Untersuchungsbericht angefertigt.
  2. Der Wurzelschutz muss je nach Dachneigung 5-10 cm im Randbereich über die Oberfläche des Substrats hinausgezogen, wegen der Gefahr der Hinterwurzelung fixiert und vor mechanischer Beschädigung und UV-Strahlung geschützt werden.
  3. Begrünte Dachflächen sollten vollflächig mit Wurzelschutz unterlegt werden, d.h. auch die Bereiche, die nicht direkt begrünt sind (wie z.B. Kiesrand, Terrasse). Denn bei fehlender bzw. mangelhafter Pflege können sich auch bei vormals unbegrünten Teilflächen Pflanzen spontan ansiedeln.

Zusätzliche Flächenlast

Extensivbegrünungen wiegen in der Regel 80–170 kg/m², bei „Leichtdachbegrünungen“ sogar nur etwa 50 kg/m². Die intensive Dachbegrünung hat eine Flächenlast ab ca. 300 kg/m². Die Angaben beziehen sich auf den Wassergesättigten Zustand mit Vegetation. Die Schneelast ist gesondert zu berechnen.

Dachneigung

Eine Dachbegrünung ist ohne größere Probleme bei Dachneigungen von 0° bis etwa 30° zu bauen und zu pflegen. Erfahrene Systemanbieter und Fachfirmen errichten in Sonderfällen auch Steildächer von 45°-90° (Tonnendächer). Dächer mit einem Gefälle unter 2 % stellen nach den Flachdachrichtlinien Sonderkonstruktionen dar, wodurch erhöhte Anforderungen an die Dachabdichtung gestellt werden. Bei der intensiven Dachbegrünung sind aufgrund des gewünschten Wasserrückhaltes 0°-Dächer erwünscht, bei der extensiven Dachbegrünung sind eher Dächer mit Gefälle zu empfehlen.

Schichtaufbau je nach Pflanzenziel bzw. Nutzungsform

Bevor man den Schichtaufbau und damit auch die entsprechenden Anschlusshöhen der Dachabdichtung und zusätzlichen Lasten festlegt, sollte die Nutzungsform und das Begrünungsziel feststehen. Besonders genutzte intensive Dachbegrünungen erfordern eine genaue Planung, insbesondere bei der Anlage von Teichen und Rasenflächen auf dem Dach

Entwässerung

Die Dachentwässerung erfolgt ebenso wie bei unbegrünten Dächern über innen- oder außenliegende Abläufe. Etwa 300 m² begrünte Dachfläche können unter Normalbedingungen an einen Ablauf mit einer Öffnungsweite von DN 100 angeschlossen werden. Auch Hochdruckentwässerungssysteme können bei Beachtungen bestimmter Voraussetzungen bei Gründächern verwendet werden. Der Ablauf muss bei Dachbegrünungen frei zugänglich durch einen Kontrollschacht ausgebildet werden. Um bei Starkregenereignissen stehendes Wasser vor den Abläufen zu verhindern, sind Wasserleitprofile (linienförmige Entwässerung zum Kontrollschacht) vorzusehen.

Bewässerung

Auch die extensive Dachbegrünung benötigt in der Anwuchsphase Wasser. Aus diesem Grund sind Wasseranschlüsse auf oder in der Nähe des Daches einzuplanen. Für intensiv begrünte Dächer bietet sich ein Wasseranstau in der Dränageschicht, Idealerweise mit automatischer Bewässerung, an. Damit wird der Bewässerungsaufwand stark reduziert und optimiert, da zuerst das natürliche Regenwasser genutzt wird.

Brandschutzvorschriften

Die länderspezifischen Brandschutzvorschriften sind zu beachten, vor allem bei großen Flächen und angrenzenden Gebäuden mit Öffnungen. Vor Fensteröffnungen und Dachdurchdringungen sind in der Regeln Kies- oder Plattenstreifen vorzusehen.

Windsoglast/Verwehsicherheit

Bei losen verlegten Dachabdichtungen sind Mindestgewichte zur Sicherung der Abdichtung gegen Abheben zu beachten. Vor allem Eck- und Randbereiche sind besonders betroffen.
Ist die Abdichtung mechanisch fixiert und ist somit eine Last zur Sicherung nicht notwendig, ist der Schichtaufbau des Gründachs dennoch bei großen Gebäudehöhen „verwehsicher“ einzubauen.

Absturzsicherung

Maßnahmen zur Absturzsicherung sollten von vorne herein als fester Bestandteil des Gebäudes eingeplant werden. Empfehlenswert sind Geländerkonstruktionen oder Anseilvorrichtungen. Hier eignen sich Anschlageinrichtungen für persönliche Schutzausrüstungen ohne Dachdurchdringung. D.h. der Anschlagpunkt wird durch das Eigengewicht der Dachbegrünung fixiert. Sowohl beim Einbau als auch zur Pflege werden die Sicherungseinrichtungen benötigt.

Zugang zum Dach

Ähnlich wichtig wie der vorgenannte Punkt, ist Sicherstellung eines problemlosen Zugangs der Dachbegrünung zu jeder Nutzungsphase.

Dachbegrünung

Vorteile einer Dachbegrünung

Eine Dachbegrünung hat, neben der Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten, noch weitere positive Eigenschaften. Zum Einen verlängert es die Lebensdauer der Dachabdichtung, da es die Dachabdichtung vor UV-Strahlung, Temperaturdifferenz, Hagelschlag und Krustenbildung schützt; zum Anderen verbessert es sowohl den Wärme- als auch den Kälteschutz des darunter liegenden Geschosses. Auch beim Thema Schallschutz ist ein Gründach zu empfehlen, da die begrünte Dachfläche den Schall adsorbiert und somit lästige Störgeräusche erheblich mindert.

Weitere Vorteile eines Gründachs:

  • Regenwasserrückhalt (je nach Region und Gründach 30-99 % des Jahresniederschlags)
  • Reduzierung der Abwassergebühren(bei einigen Gemeinden umgesetzt, bei vielen angestrebt)
  • Minimierung der Niederschlagsabflussspitzen
  • Ökologische Ausgleichsfläche bei der Eingriff-Ausgleichs-Regelung, Lebensraum für Pflanzen und Tiere
  • Anerkannte " Entsiegelungsmaßnahme" vieler Gemeinden im Zuge ökologischer Regenwasserbewirtschaftung
  • Verbesserung des (Klein-)Klimas durch Evaporations- und Transpirationsleistungen
  • Bindung und Filterung von Staub und Luftschadstoffen
  • Verbesserung des Arbeits- und Wohnumfeldes für den Menschen; besonders bei begehbaren bzw. einsehbaren Dachbegrünungen
  • Windsogsicherung bei ungenügender Lagesicherheit der Dachabdichtung
  • Verminderung von Elektro-Smog
  • Wassernutzung für Schwimmteiche, Garten u.ä.

Gründächer und Gesetzesvorgaben

In Deutschland spielen für die Dachbegrünung zwei Gesetzesvorgaben eine große Rolle: die Eingriffs-Ausgleichs-Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes (nach § 19) und die Entwicklung der Berechnung der Abwassergebühren, die früher oder später in allen Bundesländern durch eine gesplitterte Abwassergebühr erhoben werden. In der Praxis heißt das, dass viele Dächer aufgrund von Bau- und Naturschutzauflagen begrünt werden müssen und immer mehr Dächer freiwillig begrünt werden, da Teile der Kosten für die Niederschlagswassergebühr eingespart werden können.

Nachhaltigkeitsaspekte begrünter Dächer

Die Nachhaltigkeit von Gebäuden wird u.a. unter den Aspekten Ökonomie, Ökologie und Soziales betrachtet.

Ökonomie

Unter diesen Punkt werden alle Wirkungen begrünter Dächer zugeordnet, die direkte und indirekte finanzielle Einsparungen mit sich bringen.

  • Schutz der Dachabdichtung vor Extrembeanspruchung bei Spitzentemperaturen im Sommer und Winter
  • Schutz der Dachabdichtung vor Wind- und Witterungseinflüssen wie Sturm, Hagel, UV-Strahlung, damit wird die Lebensdauer der Dachabdichtung gegen die unbegrünte Variante verlängerte. Fachleute sprechen von einer doppelt so langen Zeit ohne Reparaturen oder Komplettsanierungen.
  • Energieeinsparung durch wärmedämmende Wirkung im Winter und Hitzeschild im Sommer.                     
  • Erhöhung des Wirkungsgrades von Photovoltaikanlagen bei der Kombination mit einer Dachbegrünung.
  • Entlastung der Kanalisation, durch Wasserrückhaltung( je nach Begrünungsart jährlich 30-99% der Niederschlags) und Minderung der Spitzenabflüsse ( je nach Begrünungsart bis zu 100%), sowie Einsparungspotentialen bei der Rohr- und Kanaldimensionierung, Einsparung von Regenrückhaltebecken und mögliche Gebührenminderung bei Städten mit gesplitterter Abwassersatzung.

Ökologie

Hier finden sich die Punkte, die ökologischen Belangen gerecht werden.

  • Ökologische Ausgleichsflächen und Ersatzlebensräume für Tiere. Anerkannte Minderungsmaßnahme bei der Eingriffs-Ausgleichsregelung. Je nach Begrünungsart sind dauerhafte Lebensräume mit hoher Artenvielfalt in Flora und Fauna möglich.
  • Ausgewählte Gründachsysteme mit ausgeglichener Ökobilanz und einem dezentralen Substratkonzept, um Transportwege zu minimieren.

 Soziales

In diesem Themenbereich steckt vor allem das, was man unter „Lebensqualität“ versteht, die durch das Begrünen von Dächern direkt und indirekt beeinflussbar ist. 

  • Durch die Verdunstung des gespeicherten Wassers ergibt sich eine Verbesserung des Umgebungsklimas: Kühlung und Luftbefeuchtung.
  • Verbesserung der Luftschalldämmung aufgrund der größeren Schwingungsträgheit der Gesamtfläche und gute Schalladsorption, aufgrund der Struktur der Vegetation.
  • Filterung von Luftschadstoffen und Feinstaub, sowie Minderung von Elektro-Smog.
  • Verbesserung des Arbeits- und Wohnumfeldes für die Menschen, insbesondere bei einseh- bzw. begehbaren Dachbegrünungen als zusätzliche Wohn- und Nutzflächen.

Und das Reizvolle für alle Investoren – der Baugrund für diese weiteren Nutzflächen ist kostenlos. Er wurde ja schon ebenerdig bezahlt und erfährt „oben“ eine „Zweitnutzung“. Und die Kosten der beschriebenen intensiven Dachbegrünungen sind bei weitem geringer als die Kosten eines neuen Bauplatzes – man muss sich nur die Grundstückspreise in größeren Städten vor Augen halten. Ganz davon zu schweigen, dass vor allem in Ballungszentren freie Bauplätze Mangelware sind.